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Bericht 2011

Bericht über das Sozialpraktikum der Jahrgangstufe 11

Während der Praktikumszeit wurden die Schülerinnen von Lehrerinnen und Lehrern der Jahrgangsstufe betreut und in den Einrichtungen besucht. Dabei zeigte sich schon bei vielen Besuchen, dass die Mädchen in ihren Einsatzstellen mit Freude bei der Sache waren und gerade im persönlichen Bereich viel lernen konnten.

Im Anschluss an das Praktikum gab es einen Auswertungstag, bei dem die meisten Schülerinnen eine sehr positive Bilanz ihres Praktikums zogen. Unter Anleitung von Marietheres Eggersmann-Büning, Robert Kanzog, Detlef Ruschinzik, Jürgen Grothus und der Schulseelsorgerin Cornelia Bolle-Severin wurden viele Erfahrungen ausgetauscht und reflektiert. Am Ende des Auswertungsvormittags stand ein Wortgottesdienst, in den die Erfahrungen des Sozialpraktikums, die Erinnerung an Menschen, denen sie begegnet waren, und die Anliegen der Schülerinnen einflossen.

Für fast alle Schülerinnen war die Praktikumszeit eine lohnende Erfahrung, ihnen gefiel es in der Regel am Besten, wenn sie viel direkten Kontakt zu den Menschen in den Einrichtungen aufbauen konnten und eine gute Anleitung durch die Praktikumsstelle erhielten. Beim Austausch wurde auch die große Spannweite der Erfahrungen in den unterschiedlichen Einrichtungen sichtbar. Gerade in Altenheimen, Behinderteneinrichtungen und in den Hospizen hatten die Schülerinnen sich persönlichen Herausforderungen gestellt, die ihnen Einiges abverlangten. Die meisten Schülerinnen betonten vor allem, dass das Praktikum viel Spaß gemacht hätte und dass sie für sich persönlich wertvolle Erfahrungen mitnähmen. Einige Äußerungen im O-Ton: „Man lernt richtig viel über sich und auch darüber, dass es Menschen gibt, die anders sind.“ – „Vor allem bei den `schwierigen´ Kindern habe ich gelernt, geduldig zu sein und nicht zu viel zu erwarten.“ – „Ich konnte in eine ganz andere Welt einblicken, man hat sehr viel gelernt.“ – „Das Sozialpraktikum war eine super Erfahrung für mich um andere Menschen, welche man sonst immer versucht zu meiden, kennen zu lernen. Sehr empfehlenswert.“ -  „Zwei Wochen sind für das Sozialpraktikum zu kurz“.

Jürgen Grothus

 

Erfahrungen

Mein Sozialpraktikum habe ich 2010 im St. Johannes Hospiz in Münster absolviert. Eine Villa mit circa 10 kranken, überwiegend alten Menschen, die alle wissen, dass sie in absehbarer Zeit sterben werden. Es war für mich keine große Überwindung mein Praktikum dort zu leisten, es war mehr Hilfe und Interesse, die von meiner Seite aus kam. Außerdem war es etwas anderes als ein Kindergarten, Pflegeheim oder eine medizinische Einrichtung. 
Meine Aufgaben dort waren vielseitig: Ich habe gebacken, gekocht, Frühstück zubereitet, Wäsche gebügelt und geputzt. Allerdings zählte mehr die Anwesenheit, dass man da ist und zuhört oder auch einfach mal gemeinsam schweigt. 
In der Villa am Hohenzollernring herrschte eine unglaubliche Atmosphäre. Es ist ruhig, aber zugleich total lebhaft. Es wird gelacht, rumgealbert und gescherzt. Auch wenn jeder der Bewohner wusste, warum er gekommen ist und da war, lässt es sich keiner wirklich anmerken. Man lebt nun mal als eine Gemeinschaft zusammen. Jeder war ein Teil davon.

Ich kann sagen, dass es keinen Tag gab, wo ich nach Hause gegangen bin und nicht mindestens zwei oder gar dreimal herzhaft gelacht hatte. Aber es gab natürlich auch Tage, an denen auch ich an meine Grenzen gegangen bin. 
In den 12 Tagen sind 8 todkranke Menschen verstorben. An einem Tag ging man nach Hause, hat sich von ihnen ganz normal verabschiedet und wenn ich am nächsten Morgen wiederkam, brannte eine Kerze und ich wusste, was über Nacht passiert sein musste: Es ist wieder einer gegangen. Aber dafür waren die Bewohner des St. Johannes Hospiz ja gekommen - um zu sterben.

Eines Morgens stand ich mit der Frau, die für den Haushalt verantwortlich war, in der Küche und wir haben gemeinsam gebacken. Wir beide hatten unseren Spaß, aber wussten zugleich, dass im Zimmer direkt neben an eine Frau im Sterben lag und sehr kämpfen musste. Man hörte sie laut atmen und es war uns bewusst, dass es bei ihr nicht mehr lange dauern würde. Wir saßen in der Küche und auf einmal hört man nichts mehr, auch sie hatte es geschafft.

Natürlich hatte ich auch Freundschaften geschlossen. Zum Beispiel mit einer alten Damen. Sie hatte ihren eigenen Willen, einen ausgefallenen Humor, aber wir verstanden uns. Auch sie hatte gute und schlechte Tage, trotzallem hatte ich einen Zugang zu ihr gefunden und es fiel mir schwer, mich am Ende von ihr zu verabschieden. Aber ich wusste, dass auch sie bald gehen würde.

Ich kann sagen, dass diese Zeit mir unglaublich viel gebracht hat, mir meinen Horizont um einiges erweitert hat und ich den Tod mit ganz anderen Augen sehe. Es waren tolle Tage, mit tausenden von Eindrücken und ich würde es immer wieder tun.