Dr.-Julius-Voos-Preis 2017

Fachschaft

 

Domkapitular Dr. Ferdinand Schumacher überreichte am 06.03.2017 im Rathausfestsaal der Schülerin Rabea (6. Klasse) stellvertretend für die gesamte Schulgemeinschaft der Bischöflichen Marienschule den Dr.-Julius-Voos-Preis der Gesellschaft für Christlich-jüdische Zusammenarbeit.

Vorbild für den interreligiösen Dialog

Die eigene religiöse Identität leben und dafür Toleranz und Verständnis der Schulgemeinschaft erfahren: Das ist seit vielen Jahren ein zentrales Anliegen der Bischöflichen Marienschule in Münster.
Bei der Eröffnung der "Woche der Brüderlichkeit" am 6. März im Festsaal des münsterschen Rathauses ist das Mädchengymnasium darum mit dem Dr.-Julius-Voos-Preis geehrt worden. Damit würdigte die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster das Engagement der Schülerinnen und Lehrer für den interreligiösen Dialog.

"Die Ausrichtung an Grundüberzeugungen und Werten christlicher Lebensdeutung trägt die Marienschule", betonte Schulleiter Arno Fischedick. Dennoch sei das Gymnasium offen für Mädchen aller Konfessionen und Religionen. In jedem Jahr gehörten etwa zehn Prozent der Schülerinnen nicht-christlichen Konfessionen an. "Diese Offenheit bringt aber auch Verpflichtungen für das schulische Handeln mit sich", erklärte Fischedick und wies auf die unterschiedlichen Wege der Marienschule hin, das Thema im Unterricht aufzunehmen. Wie diese ganz praktisch aussehen, verdeutlichten die Schülerinnen bei der Eröffnungsveranstaltung selbst.

Neben dem Besuch der münsterschen Synagoge und einer Moschee erzählten die Schülerinnen Gesa und Marlene von ihrer Initiative, einen Studientag zum interreligiösen Dialog durchzuführen. Buddhisten, Hindus, Juden, Muslime und Christen unterschiedlicher Konfessionen kamen in die Schule, nahmen sich Zeit für Gesprächsrunden im kleinen Kreis und für Podiumsdiskussionen mit Vertretern aller Religionen. "Für viele Schülerinnen war die persönliche Begegnung das Besondere an diesem Tag – Inhalte, die man im Unterricht lernt, mit Gesichtern und Geschichten zu verbinden", fasste Gesa zusammen.
Ein weiterer Bestandteil sei die Ausstellung "Weltreligionen – Weltfrieden – Weltethos" im vergangenen Jahr gewesen, erzählte Schulseelsorgerin Cornelia Bolle-Severin. "Bei dieser Ausstellung ging es nicht nur um Informationen, sondern vor allem um die Frage, wie ein gemeinsames Leben gelingen kann, wenn man verschiedenen Religionen angehört." Schülerinnen verschiedener Religionen gaben im Rathausfestsaal Einblicke in ihren Glauben.

So erzählte Lakshmi, die Hindu ist, von Riten und Bräuchen und auch Rabea gewährte Einblick in den Alltag ihrer Familie, in der drei Weltreligionen vertreten sind. Aktiv wurden die Schülerinnen zudem am 27. Januar, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Mit verschiedenen Aktionen in der Innenstadt Münsters, darunter Menschenketten, Informationsständen und Bannern, die die Mädchen im Rathaus präsentierten, machten sie die Passanten auf das Schicksal der damaligen jüdischen Mitbürger aufmerksam.
Auf das Miteinander von Juden und Christen wies auch Oberbürgermeister Markus Lewe in seinem Grußwort hin: "Dieses Miteinander ist ein Geschenk, den Reichtum der Vielfalt gilt es wahrzunehmen." Er wünsche sich, dass von der "Woche der Brüderlichkeit" Impulse und Kraft ausgingen: "Der Umgang damit ist auch eine Frage der Haltung und die brauchen wir aktuell mehr als alles andere auf der Welt", sagte er. Sharon Fehr, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Münster, stellte das Motto der "Woche der Brüderlichkeit" in den Mittelpunkt. "‘Nun gehe hin und lerne" berührt den Kern der jüdischen Religion, in der Studium und Lehre eine wichtige Rolle spielen." Nur durch Austausch und gegenseitiges Kennenlernen könnten Vorurteile abgebaut werden, sagte er. "Nur so bleibt Münster eine weltoffene und menschliche Stadt, in der mehr als 100 Nationen miteinander leben.“

Text: Bischöfliche Pressestelle / 07.03.17
Kontakt: Pressestelle@bistum-muenster.de
Foto: Bischöfliche Pressestelle/Ann-Christin Ladermann