Christen in Pakistan 2014

Fachschaft -

          

Stark im Glauben, aber diskriminiert und verfolgt: Christen in Pakistan
Father Emmanuel Asi sprach mit Schülerinnen der Marienschule

Münster (pbm). Ein Leben mit sozialen Ungerechtigkeiten, religiöser Diskriminierung, Korruption und Angst vor Anschlägen: Aus erster Hand hat Father Emmanuel Asi, ein katholischer Priester aus Pakistan, am Dienstag, 21. Oktober, Schülerinnen des Bischöflichen Mädchengymnasiums Marienschule Münster über die schwierige Situation der Christen in seiner südasiatischen Heimat informiert.
In dreifacher Klassenstärke waren erst die Neunt- und später die Elftklässlerinnen (Q1) im Musikraum unter dem Dach versammelt. Interessiert hörten die Schülerinnen dem Geistlichen zu, der auf Englisch zu ihnen sprach: Kein Problem an einer Schule mit einem bilingualen Zweig, in dem zweitweise in englischer Sprache unterrichtet wird. Nach dem einführenden Statement über Land und Leute in Pakistan stellten die Schülerinnen dem Geistlichen wissbegierig etliche Fragen.
Sie erfuhren, dass die meisten der 180 Millionen Menschen in Pakistan Muslime sind, während Christen mit 2,8 Millionen die größte Gruppe unter den religiösen Minderheiten stellen. Die pakistanischen Christen seien stark im Glauben, die heiligen Messen dort regelmäßig gut besucht, es werde viel in der Bibel gelesen, gebe zahlreiche Prozessionen und ein ausgeprägtes christliches Pilgerwesen. Auch wenn Kreuze, Bibeln oder Kirchen brennen würden, stünden die Christen dort fest zu ihrem Glauben.
Father Emmanuel stellte klar, die Verfolgung von Christen gehe nicht vom pakistanischen Staat aus. Vielmehr gebe es neben der großen Mehrheit der Muslime, die auch Christen gegenüber freundlich seien, eine kleine Minderheit fundamentalistischer Moslems, von denen die Blasphemiegesetze immer wieder missbraucht würden. Angehörige dieser fanatischen Minderheit würden Christen beschuldigen, sich verletzend oder verhöhnend über den Koran oder den Propheten Mohammed geäußert zu haben.
Wiederholt sei allerdings auch die Polizei nicht eingeschritten, wenn eine wütende Meute Fanatiker ein Haus oder eine ganze Siedlung in Brand gesteckt hatte, weil dort jemand der Blasphemie beschuldigt worden war. Vielmehr habe der Staat später den Wiederaufbau der Gebäude bezahlt, erzählte der Geistliche. Für manche Christen bringe ein Leben unter diesen Bedingungen extreme psychische Belastungen mit sich. Die Erfahrung von Verfolgung, Vertreibung und Flucht traumatisiere manche.
In dieser Lage seien die Christen in Pakistan auf internationale Unterstützung angewiesen, erklärte Fahrer Emmanuel. Hilfreich sei es, wenn europäische Regierungen, Organisationen oder Medien politischen Druck ausüben würden, um Menschenrechte und volle Religionsfreiheit einzufordern. In dem Kontext bezeichnete Father Emmanuel den im November anstehenden Besuch des pakistanischen Präsidenten in Deutschland als gute Gelegenheit zur Einflussnahme. Direkt an die Schülerinnen gewandt bat der Geistliche um moralische und materielle Unterstützung für die Christen in Pakistan, aber auch um Gebete.
Am Ende der jeweils 90minütigen Begegnungen erhielt der Father Emmanuel lang anhaltenden Applaus. Die Schülerinnen der Marienschule werden nun gemeinsam mit ihren Religionslehrern überlegen, wie sie seinen Bitten nachkommen werden. Father Emmanuel Asi kommt noch zu Schülern und Jugendlichen in Borken und Warendorf im Rahmen seines Besuchs im Bistum Münster, wo er auf Einladung des Internationalen katholischen Missionswerk ‚missio‘ unterwegs ist.