Zeitungsprojekt 2017

 

Das erste Wort war „Hallo“
Spagat zwischen zwei Kulturen: Flüchtlingsfamilie aus Armenien hat sich in Münster
gut eingelebt

>>>Der Atikel als pdf-Datei (aus den WN 22.03.2017)
Bald ist es zwei Jahre her, dass die armenische Familie – bestehend aus Mutter, Vater, vier Kindern und der Großmutter – aus Armenien nach Deutschland flüchtete. Damals sprach niemand Englisch, geschweige denn Deutsch. Die Eltern nahmen an einen Deutschkurs teil, und die Kinder lernten die Sprache in der Schule.
Auch heute noch gestaltet sich die Verständigung schwierig. Besonders herausfordernd seien die Umlaute und Buchstabenkombinationen aus „a“ und „r“ im Deutschen, erzählt die zehnjährige Tochter. Das erste Wort, das die Kinder auf Deutsch sagen konnten, war „Hallo“.
Zuerst lebte die Familie in einer Flüchtlingsunterkunft: sieben Personen in einem Raum. Mittlerweile hat die Familie eine Wohnung gefunden und sich dort auch schon eingelebt.
Die Familie gehört der Glaubensrichtung der Jesiden an. Jesiden gehören zu einer religiösen Minderheit in Armenien. Sie haben kaum Rechte und Einfluss auf die Politik des Landes. Immer wieder kam es zu Auseinandersetzungen mit Nachbarn und Bekannten, erzählt die Familie.
Alle vermissen die Verwandten, die in der Heimat geblieben sind. Trotzdem will die Familie in Deutschland bleiben. Die Liebe zur „alten“ Heimat bleibt – abzulesen an der Wohnungseinrichtung genauso wie am Essen.
„Wir haben in der Schule schon einmal Gurkensalat gegessen“, antworten die Kinder auf die Frage, ob sie schon deutsche Speisen probiert haben. Zu Hause wird – verständlich – armenisch gekocht.
Die Familie ist sich einig, dass in Deutschland vieles gut sei. „Es gibt sinnvolle Regeln und die Leute sind freundlich zu Kindern“, bilanziert die Mutter. Doch Anschluss zu finden ist für die Jesiden schwer. Die Kinder haben in der Schule schnell Freunde gefunden, aber die Erwachsenen haben nur wenige soziale Kontakte.
Jeden Tag aufs Neue muss die Familie den Spagat zwischen zwei Kulturen meistern. Einerseits gilt es, die heimische Kultur beizubehalten, sich der neuen Kultur andererseits aber trotzdem zu öffnen und sich in die Gesellschaft in Münster zu integrieren.
Marie Rüther