Gegen Intoleranz und Ausgrenzung

 

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Woche der Brüderlichkeit: Marienschule erhielt Dr.-Julius-Voos-Preis (aus den WN vom 8.3.2017)
-Serena Behrens- Münster - Eine Woche mit Veranstaltungen für Begegnungsmöglichkeiten zwischen Christen und Juden: Das ist das Konzept der Woche der Brüderlichkeit, die seit 1952 stattfindet. 84 Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit organisierten unter dem Motto „Nun gehe hin und lerne“ Vorträge und einen Stadtrundgang zum Religionsaustausch.
Die Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit, oder auch Woche der Geschwisterlichkeit, wie Pfarrer Jürgen
Hülsmann von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münsters sie nannte, fand im Rathaus statt. Das Motto „Nun gehe hin und lerne“ entstammt einer 2000 Jahre alten Geschichte. Ein Mann kam zu Rabbi Hillel und verlangte die Erklärung des jüdischen Glaubens in der Zeit, in der er auf einem Bein stehe. Der Rabbi antwortete darauf: „Was dir zuwider ist, das tue auch deinem Nächsten nicht an. Das ist die ganze Thora, der Rest ist Auslegung. Nun gehe hin und lerne.“
Sharon Fehr, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Münster, erhofft sich von der Woche, ein Zeichen gegen
Intoleranz und Ausgrenzung setzen zu können. „Nur durch den gemeinsamen Austausch überwinden wir
Vorurteile“, fügte er hinzu.
Im Mittelpunkt der Eröffnung stand die Verleihung des Dr.-Julius-Voos-Preises an die Marienschule, ein
bischöfliches Gymnasium für Mädchen. Die Schülerinnen beschäftigen sich intensiv mit dem interreligiösen
Dialog. „Zehn Prozent unserer Schülerinnen sind anderer Konfession“, sagte Schulleiter Arno Fischedick.
Religion spiele nicht nur im Unterricht eine Rolle, sondern auch in Veranstaltungen außerhalb der Schulzeit.
Einige Schülerinnen gestalteten das Musikprogramm sowie kleine Vorträge.


Die Christlich-Jüdische Gesellschaft lädt zu weiteren Veranstaltungen ein. Am Mittwoch (8. März) um 16 Uhr spricht Prof. Norbert Frei im Schwurgerichtssaal des Landgerichts, Am Stadtgraben 10, über das „Urteil von
Nürnberg und die Folgen“ im Rahmen der Eröffnung der Ausstellung „Justiz und NS-Verbrechen“. Prof. Dr.
Christian Wiese spricht am Donnerstag (9. März) um 19 Uhr über jüdische Lutherlektüren im 19. und 20.
Jahrhundert in der Synagoge der Klosterstraße 8-9. Der Abschluss ist ein Stadtrundgang zu Stätten jüdischen
Lebens in Münster am Sonntag (12. März). Andreas Determann startet um 15 Uhr am Syndikatplatz. Der
Eintritt beträgt fünf Euro.